Der Schwarze Krieger

Eine VOYAGER: Season8/9-kompatible Geschichte von Thomas Nikolajsen
-- nach den STAR TREK-Motiven von Gene Roddenberry --

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Eine diplomatische Routine-Mission - Tema'na konnte sich nichts langweiligeres vorstellen und ihren Kameraden, einschließlich Captain Janeway, schien es da nicht viel anders zu gehen. Dabei tat ihnen allen eine gewisse Ruhe nach all der Aufregung in der letzten Zeit sicher ganz gut...

"Captain, wir empfangen einen klingonischen Notruf, es handelt sich offenbar um einen... Kreuzer der D7-Klasse!"
"D7?" Janeway, jäh aus ihrem Halbschlaf gerissen, dachte sofort an ihr erstes und bis zu diesem Tag letztes Treffen mit einem dieser alten Klingonenschiffe im Delta-Quadranten. "Sind andere Klingonenschiffe in Reichweite, Mr. Kim?"
"Negativ, Captain, wir sind die Einzigen! Bei der gegenwärtigen Geschwindigkeit könnten wir in einer Stunde dort sein - aber es wäre eine kleine Kursänderung nötig!"
Der Captain dachte eine Weile lang nach und befahl dann: "Fähnrich Tema'na, setzen Sie Kurs auf das Notsignal! Mr. Tuvok, informieren Sie den deltanischen Kulturbotschafter, dass wir uns auf einer Rettungsmission befinden und unser Eintreffen sich deshalb um ein paar Stunden verzögern wird."
"Verstanden, Captain."
"Wer ist denn so verrückt, mit einem über 100 Jahre alten Museumsstück durch das Weltall zu fliegen?", fragte Chakotay.
"Genau das wollen wir ja herausfinden!"

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Als sie in Sichtweite waren, legte Kim den Klingonenkreuzer auf den Hauptschirm. "Irre ich mich oder sieht das Ding irgendwie neu aus?", fragte Janeway leicht verwirrt.
"Für ein Schiff seines Alters ist es auf jeden Fall fast zu gut erhalten - vielleicht handelt es sich auch um einen originalgetreuen Nachbau!", vermutete Chakotay, "Mr. Kim, was sagen die Sensoren?"
"Ich bin mir noch nicht sicher, aber es scheint eine Art temporaler Verzerrung zu geben... Wir dürften jetzt auf jeden Fall nahe genug für einen gründlichen Scan sein!"
Die Voyager ging unter Warp und nun sah man den D7-Kreuzer in voller Größe auf dem Hauptschirm. Äußere Schäden waren so gut wie gar nicht vorhanden, aber im Inneren musste ein Kampf von beinahe unvorstellbaren Ausmaßen gewütet haben. "Irgendwelche Lebenszeichen?"
"Zwei, nein Drei, Captain, und eine starke Chronitonenstrahlung aus dem Bereich des Maschinenraums!"
"Was zum Teufel war so schlimm, dass sie davor Zuflucht in der Zukunft gesucht haben?"
"Spekulationen bringen uns hier nicht weiter", meinte Tuvok, "Ein Außenteam dürfte sich gefahrlos für eine oder zwei Stunden dort aufhalten können, solange der Maschinenraum germieden wird!"
"Also dann - Chakotay, Sie werden mit dem Doktor und Kim auf das Klingonenschiff beamen und vergessen Sie bitte nicht, die Überlebenden dort dürften Ihnen für ihre Rettung nicht gerade dankbar sein!" Tuvok wollte etwas einwenden, doch der Captain meinte, er könne mehr für diese Mission tun, wenn er auf der Voyager bliebe. "Halten Sie das Außenteam erfasst und scannen Sie gleichzeitig die Umgebung; falls der oder die Angreifer noch irgendwo in der Nähe sind, dürfen wir auf keinen Fall zulassen, dass der Voyager Ähnliches widerfährt!"

Die Verwüstungen im Inneren des klingonischen Kreuzers waren noch verheerender, als die ersten Scans es hatten vermuten lassen. Konsolen und Schalttafeln waren regelrecht aufgerissen worden, in den Wänden klafften ebenfalls tiefe Risse und kaum eine der Leichen war in einem Stück. Doch es fiel ihnen auch etwas auf, das sich durch keine noch so starke Verstümmelung erklären ließ und Kim war der Erste, der seine Kameraden darauf ansprach: "Mein Tricorder zeigt zwar an, dass es sich bei den Toten hier um Klingonen handelt, aber was zum Teufel ist denn mit ihren Stirnwülsten passiert?"
"Da bin ich leider auch überfragt, Lieutenant", erwiderte der Doktor, "vielleicht ist es irgendeine exotische Virusinfektion oder eine Mutation... wir nähern uns übrigens der Sektion, aus der die Lebenszeichen kommen!"
Wie zur Bestätigung ertönte ein Kreischen und hinter ihnen zerbarsten die Überreste einer Schalttafel. "In Deckung!", schrie Chakotay überflüssigerweise, denn seine beiden Begleiter wussten sehr wohl, dass mit Klingonen aus dem 23. Jahrhundert, ob nun mit oder ohne Stirnwülste, nicht zu spassen war... Der Kommander versuchte es trotzdem mit Diplomatie: "Wir sind nicht Ihre Feinde, wir sind gekommen, um Sie zu retten!"
"Da sind Sie aber reichlich spät dran", erklang eine Stimme nicht unweit von ihnen, "sagen Sie, sind Sie ein Klingone oder Romulaner?"
"Weder noch; mein Name ist Chakotay und ich bin ein Mensch..."
"Was? Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich mich von der Föderation retten lasse - eher sterbe ich!"
Zwei weitere Schüsse verfehlten die drei Sternenflottenoffiziere nur um Haaresbreite. Kim konnte ein Flimmern der Luft entlang der Schussbahnen erkennen, sah aber keine leuchtenden Energiestrahlen, wie sie normalerweise von klingonischen Handfeuerwaffen ausgingen. "Dass muss ein sonischer Disruptor sein", meinte der Doktor, dessen taktischen Subroutinen auch mit Informationen historischer Waffenkunde gefüttert waren, "nicht auszudenken, was dieses barbarische Gerät mit lebendem Gewebe anstellt! Ich werde mich von hinten an ihn ranschleichen, versuchen Sie solange, ihn hinzuhalten!"
Diesmal versuchte Kim sein Glück. Da ihm auf die Schnelle keine glaubwürdige List einfiel, beließ er es bei der Wahrheit: "Hören Sie, ihr Schiff hat offenbar einen Zeitsprung gemacht, Sie befinden sich jetzt im 24. Jahrhundert und es herrscht Frieden zwischen unseren Völkern!"
"Sagen Sie mal, für wie dumm halten Sie mich eigentlich? Noch nicht einmal Captain Kirk wäre zu solch einer schamlosen Lüge fähig!"
Das Disruptorfeuer ging weiter und brachte den halben Korridor hinter dem Außenteam zum Einsturz.
Der Doktor hatte sich inzwischen mittels Anpassung seiner Größe durch die Lücken im Trümmergewirr seinen Weg zu den überlebenden Klingonen gebahnt. Der Schütze, ebenso glattstirnig wie seine fast allesamt gefallenen Kameraden, sah ihn zunächst verwirrt an, doch dann erkannte er das Abzeichen der Sternenflotte und feuerte. Der Doktor konnte zwar noch ausweichen, doch die konzentrierte Ultraschallenerige streifte sein Bein, destabiliserte die holografische Matrix vorübergehend und brachte ihn zu Fall.
"Sie sind gar kein Mensch - was beim Kahless sind Sie?" Der Disruptor zielte genau zwischen die Augen des Gestürzten.
"Ich bin ein Hologramm, ich bin Arzt, ich will Ihnen helfen!"
"Ein so real aussehendes Hologramm, dass sich noch dazu frei bewegen kann? Ich glaube eher, Sie stecken mit diesem Schwarzen Krieger unter einer Decke!"
Der Klingone drückte erneut ab, genau in demselben Augenblick, in dem er von einem Betäubungsstrahl aus Chakotays Phaser getroffen wurde...

- - - -

Drei Stunden später wachte er auf der Krankenstation der Voyager auf und war mehr als nur erstaunt, als er den Doktor sah.
"Wo zu Gre'thor bin ich hier? Und wieso leben Sie noch?"
"Wie ich schon sagte, ich bin ein Hologramm und meine Matrix kann so Einiges einstecken, obwohl Ihr Disruptorschuss auf meinen Kopf eine Erfahrung war, auf die ich in Zukunft gerne verzichten kann! Um Ihre erste Frage zu beantworten, Sie befinden sich auf der Krankenstation der USS Voyager und ich bin der Arzt, der Sie trotz Ihrer so offensichtlichen Weigerung zur Kooperation von ihren Verletzungen geheilt hat!"
"Ich fühle mich in der Tat besser - aber das haben Sie doch nur getan, damit Sie mich umso stärker foltern können!"
"Foltern? Wie kommen Sie auf so eine absurde Behauptung? Ich kann zwar nicht für die Sternenflotte des 23. Jahrhunderts sprechen, aber wir foltern absolut niemanden, so etwas würde meiner grundethischen Programmierung widersprechen!"
"Selbst wenn Sie die Wahrheit sagen, Programme kann man ändern! Sie wurden vermutlich geschaffen, um Dinge zu tun, an denen sich die ach so moralischen Föderationsoffiziere nicht die Hände schmutzig machen wollen!" Diese Worte riefen dunkle Erinnerungen wach, er dachte daran, wie Captain Ransom von der Equinox einst seine ethischen Subroutinen gelöscht hatte, damit er Seven mit aller Gewalt Informationen entlocken konnte... Der Doktor wusste nicht, warum er das nun tat, aber er erzählte dem Klingonen von jenen Erlebnissen (ohne jedoch zu sehr ins Detail zu gehen oder die Hintergründe zu erwähnen).
"Das klingt ja alles sehr rührend, aber woher soll ich wissen, dass dieser Ransom nicht wie jeder andere Captain der Sternenflotte gehandelt hat?"
"Es waren extreme Umstände, die ihn dazu trieben. Captain Janeway hingegen würde solche Methoden niemals billigen, Sie können sie ruhig selbst fragen, sie wird jeden Augenblick hier eintreffen!"
Der Gast aus dem 23. Jahrhundert schien immer noch nicht ganz überzeugt zu sein. "Sagen Sie mal, gab es noch andere Überlebende?"
"Zwei, aber einer von ihnen verstarb gleich nach seiner Ankunft auf der Voyager. Was den anderen angeht - sehen Sie am besten selbst!" Er deutete in eine Richtung und der Klingone sah dort lebenserhaltende Apparaturen, unter denen der mit Sensoren gespickte Kopf eines Kameraden hervorlugte. "Was haben Sie denn mit ihm getan?" Er stand auf und lief zu dem Schwerlerletzten hin; der Doktor deaktivierte hastig das Kraftfeld, dass das Bett des Klingonen bis dahin umgeben hatte. "Er hat schwere Gehirnschäden erlitten; hier auf diesem Schiff sind meine Möglichkeiten begrenzt, aber es gibt Spezialisten, die ihm zumindest das Leben retten könnten!"
"Und was für ein Leben wäre das dann? Kark war einer unserer besten Krieger, er hat es nicht verdient, als geistig behinderter Krüppel dahinzuvegetieren!"

Noch bevor der Doktor antworten konnte, betraten Janeway und Tuvok die Krankenstation. "Ah, da ist ja unser Gast; ich bin Captain Kathryn Janeway und möchte Sie herzlich an Bord der Voyager und im 24. Jahrhundert Willkommen heißen!" Er ignorierte ihre ausgestreckte Hand und erwiderte stattdessen: "Wenn Sie den Klingonen wirklich freundlich gesonnen sind, dann befehlen Sie Ihrem holografischen Mediziner, diese Maschinen hier abzuschalten und meinem Kameraden einen ehrenvollen Tod zu gewähren!"
"Nun seien Sie mal nicht so pessimistisch, Unser Doktor wird ihn sicher wieder auf die Beine bringen, nicht wahr?"
"Ich befürchte, seine Verletzungen sind wohl doch ein bisschen zu schwer... angesichts der robusten klingonischen Natur wäre eine vollständige Genesung zwar durchaus möglich, aber leider sehr unwahrscheinlich."
"Wird er überhaupt jemals wieder käpfen können?"
"Nicht gegen den oder die Gegner, die Ihr Schiff in einen Schrotthaufen verwandelt haben!"
"Das bringt uns genau zu dem Punkt: Wer hat Ihnen so zugesetzt, Mr..."
"Keral, ich bin Keral, Sohn von Tok'wor, dem Oberhaupt des ehrenwerten Hauses von Kar'ka! Und was den Angriff anbelangt - das war keine Armee, sondern nur ein einziges Individuum, ein gepanzerter Humanoide in einer schwarzen Rüstung, ich nenne ihn deshalb den Schwarzen Krieger..." Er hielt kurz inne und sah zu Tuvok. "Sie sind doch Vulkanier, nicht wahr? Soviel ich weiß sind Sie unfähig, zu lügen. Also sagen Sie mir, was das Ganze hier überhaupt soll!"
"Ihr Schiff machte einen Zeitsprung; Sie befinden sich, wie der Captain schon andeutete, im 24. Jahrhundert und es herrscht Frieden zwischen den Klingonen und der Föderation, auch wenn Ihr Volk ihr noch nicht beigetreten ist. Haben Sie sonst noch Fragen?"
"Nur eine Bitte: Ich will meinen anderen Kameraden, der kurz nach seiner Ankunft hier starb, noch einmal sehen!"
"Hier entlang, bitte!", sagte der Doktor.

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Nachdem Keral sich von seinem toten Kameraden verabschiedet hatte, gingen Janeway und Tuvok mit ihm ins Offizierskassino, um seine letzten Bedenken mit einem Becher Raktachino wegzuspülen. Zuerst glaubte der Klingone, man wolle ihn möglicherweise vergiften, doch nachdem Janeway davon genippt hatte, probierte er auch einen Schluck. "Der ist nicht schlecht - um ganz ehrlich zu sein, hat nur meine Großmutter einen noch besseren Raktachino gebraut!"
"Ich selbst bin zwar auch eine notorische Kaffetrinkerin, aber diese klingonische Variante, vor allem ungesüß und ohne Milch ist mir doch ein bisschen zu stark..."
"Wen wundert es, Sie sind ein Mensch und noch dazu eine Frau! Aber jetzt möchten Sie sicher mehr über den Schwarzen Krieger erfahren. Nun, er war wirklich alleine und seine einzige Waffe war ein Schwert! Es nicht so aus wie eines unserer Bat'leths, sondern Klinge und Griff bildeten eine Linie, wie bei einem übergroßen Messer!"
"Und mit diesem Schwert soll der Angreifer mehr Schaden angerichtet haben als eine Horde Hirogen?"
"Ich weiß zwar nicht, was Hirogen sind, Captain, aber dieser Krieger hatte die Kraft von mindestens zehn Klingonen! Seine Klinge ging durch alles hindurch, als wäre es zartes Fleisch und hin und wieder streckte er auch die Hand aus und vier, fünf von uns wurden auf einmal nach hinten geschleudert, ohne dass er auch nur einen berührt hätte!"
"Und all dies tat er ohne Grund? Das klänge nicht nur nach einem überaus mächtigen, sondern obendrein noch extrem unlogisch handelnden Wesen!"
"Wir Klingonen haben einige Feinde, vielleicht hat einer von ihnen einen Söldner einer unbekannten Rasse geschickt... und falls Sie wissen wollen, ob er auch für den Zeitsprung verantwortlich ist, ich weiß es nicht, aber zuzutrauen wäre es ihm!"
"Wir registrieren immer noch hohe Werte an Chronitonenstrahlugn aus Ihrem Maschinenraum. Könnte Ihr Chefingenieur ihn möglicherweise auf der Suche nach einem Ausweg ausgelöst haben? Wobei es nicht logisch erscheint, auf diese Weise vor einem Gegner fliehen zu wollen, der sich bereits an Bord befindet!"
"Da haben Sie schon Recht, aber ich denke, unter solchen Umständen dürfte selbst Ihnen das logische Denken schwerfallen! Immerhin scheint es ja geklappt zu haben, der Schwarze Krieger hat sich noch nicht wieder blicken lassen - vorausgesetzt, unser Chefingenieur... Tarik, dieser grünblütige P'tagh! Er war zwar ein fähiger Techniker, aber wenn es wirklich gefährlich wird, kneifen Romulaner immer den Schwanz ein, wie man so schön auf der Erde sagen würde!"
"Romulaner kneifen nie den Schwanz ein!!" Tema'na hatte soeben das Kasino betreten. "Ich habe gehört, hier soll ein Klingone aus dem 23. Jahrhundert sein, aber ich sehe nirgendwo einen!"
Keral drehte sich um und blickte ihr ins Gesicht. "Wohl nicht nur feige, sondern auch blind! Ich bin Keral, Sohn des Tok'wor..."
Tema'na lachte. "Sie wollen mich wohl für dumm verkaufen? Wenn Sie ein Klingone sind, dann bin ich eine trillianische Prinzessin!"
"Ich BIN ein Klingone, du spitzohrige Schlampe, warte nur, bis ich mein Bat'leth in den Händen halte und dir deine Ohren damit zurechtstutze!"
Janeway hielt es für angebracht, dem Streit ein Ende zu bereiten, bevor er noch eskalierte. "Schluss jetzt, Sie beide! Tema'na, Keral mag zwar nicht so aussehen, aber er ist ein Klingone! Sie können ja den Doktor fragen, wenn Sie mir nicht glauben!"
"Na gut, dann ist er halt ein Klingone. Den richtigen Gestank scheint er ja auf jeden Fall draufzuhaben!"
Kerals Augen schienen auf einmal aus den Höhlen zu quellen und er starrte wie entgeistert in eine Richtung, in der die drei Offiziere nichts entdecken konnten. "Was ist denn jetzt loss, du Glattstirn? Habe ich dich etwa beleidigt?"
"D... Der schwarze Krieger! Er steht, nein stand dort, ich habe ihn ganz deutlich gesehen, er hat mich gefunden, er muss wohl gekommen sein, um sein schreckliches Werk zu vollenden!"

- - - -

Janeway nahm Kerals Vision sehr ernst. Es mochte sich vielleicht nur um einen traumatischen Flashback gehandelt haben, aber sie durfte kein Risiko eingehen und ordnete daher einen genauen Sensorscan der Ecke, in der der Klingone den Schlächter seiner Kameraden gesehen haben wollte. Und tatsächlich wurden dort die Reste einer unbekannten Strahlung festgestellt, die Kim bereits auf dem Schiff registriert hatte. Es handelte sich weder um Chronitonenstrahlung noch um etwas, das klingonischen oder romulanischen Ursprungs war. Genau genommen war die Energiesignatur mit nichts Bekanntem zu vergleichen...

Inzwischen war ein weiters Außenteam unter Barclays Führung zu dem Wrack hinübergebeamt, um alle verfügbaren Computerdaten zu bergen. Klingonische Sensoren waren zwar nicht immer ganz so ausgereift wie ihre Föderationspendants, aber jeder Hinweis auf die Natur des geheimnisvollen Angreifers war von möglicherweise lebensrettender Bedeutung. Der Maschinenraum war allerdings nach wie vor tabu, denn wobwohl Chronitonen keine direkten körperlichen Schäden verursachen können, sind ihre Auswirkungen auf den Zeitfluss praktisch unabschätzbar... es konnte alles glattgehen, aber genauso gut könnte jeder, der den verseuchten Maschinenraum betrat, sich nach dem Zurückbeamen in irgendeiner beliebigen Zeit wiederfinden, schlimmstenfalls sogar im luftleeren Raum.

Gerade als Barclay dabei war, mit Annika Hansons Hilfe die zum großen Teil beschädigten Daten aus dem Computer der K'wor (so hieß der Kreuzer) wiederherzustellen, näherte sich ein klingonisches Schiff der Gegenwart. Als dessen Kommandant, Kreghar, von dem Massaker erfuhr, beamte er sich sofort an Bord der Voyager und suchte Keral in seinem Gästequartier auf. Als sich die beiden so unterschiedlich aussehenden Klingonen gegenübüberstanden, war der Schock auf beiden Seiten groß. "Wie kommt es, dass du aussiehst wie ein Tier? Ich habe in meiner Zeit mal eine Frau mit ganz zarten, so gut wie gar nicht vorhandenen Stirnwülsten gesehen... aber sowas wie du ist mir oder einem meiner Kameraden in unserer ganzen Laufbahn noch nicht untergekommen!"
"Wie wagst du es, mich als Tier zu beschimpfen? DU bist es, der das klingonische Imperium mit seiner Glattstirnigkeit beleidigt! Aber zum Glück gibt es Wege, aus dir noch einen richtigen Klingonen zu machen. Weiß irgend jemand auf diesem Schiff von den Hintergrüden, die zu dem schändlichen Aussehen deiner Generation führten?"
"Ich habe kein Wort gesagt und ich empfinde mein Aussehen auch nicht als Schande, denn schließlich ist es das Blut, die Seele, die mich zu einem vollwertigen Klingoen machen!"
"Bist du auch bereit, das in einem Bat'leth-Zweikampf zu beweisen? Zuerst aber müssen wir diesen Schwarzen Krieger besiegen, der dir und einen Kameraden so zugesetzt hat. Ich muss gestehen, ich habe noch von keinem Klingonen gehört, der gegen einen so mächtigen Gegner gekämpft hat seit Kortar die Götter vernichtete! Damit gebührt dir und Kark als einzige Überlebende dieser Schlacht große Ehre, trotz deines Aussehens!"
"Auch dir gebührt Ehre, weil sich in deinem Gesicht das Erbe unserer Vorfahren, wie Kortar und Kahless wiederspiegelt! Gemeinsam werden wir es vielleicht schaffen, den Krieger zu vernichten und Rache für meine gefallenen Kameraden zu nehmen!"
Die Tür zum Quartier öffnete sich und der Wachtposten trat ein. "Mr. Keral, würden Sie mich bitte zur Krankenstation begleiten? Es geht um ihren Kameraden!"
"Kark? Wenn dieser gepanzerte Dämon ihm etwas angetan hat..."

Auf der Krankenstation wimmelte es von Sicherheitskräften und Tuvok wartete zusammen mit dem Doktor auf die Kerals Ankunft. Als dieser eintraf, brachte das Hologramm ihm die Nachricht ohne Umschweife bei: "Der Fremde war hier und hat die Lebenserhaltungssysteme, an denen Kark angeschlossen war, deaktiviert." Tuvok fügte gleich noch hinzu: "Als letzter Überlebender der K'wor schweben Sie in unmittelbarer Gefahr. Da der Schwarze Krieger auch für die Voyager eine große Bedrohung darstellt, wäre es im Interesse Aller angebracht, dass Sie meine folgende Frage wahrheihtsgemäß und so detailiert wie möglich beantworten: Was haben Sie unmittelbar vor dem Angriff getan?"
Keral sah seinen toten Kameraden an, als er antwortete: "Es war Krieg, wir haben ein Spionageschiff der Föderation zerstört, etwa zwei Stunden vor dem Angriff!"
"Könnten Sie das bitte präzisieren? War es ein Schiff der Sternenflotte?"
Der Klingone blickte dem Vulkanier nun direkt in die Augen. "Nein, ein andorianischer Frachter, der angeblich auf Grund eines Computerfehlers vom Kurs abgekommen war. Wir hielten die Ausflüchte seines Captains für eine Lüge und eröffneten das Feuer. Ich war es, der das Eindringen des Schiffes in unsere Seite der neutralen Zone bemerkte. Als wir später slebst Opfer eines Angriffs wurden, dachte wohl nicht nur ich an einen Racheakt, wir waren von der Bösartigkeit der Föderation überzeugt und die Andorianer sind in der ganzen Galaxis f¨r ihre paranoide Reizbarkeit bekannt! Abr der Schwarze Krieger kann kein Andorianer sien. Dazu ist er viel zu mächtig und sein Helm zeigt auch keine Hinweise darauf, dass sein Träger Antennen auf dem Kopf haben könnte!"
Tuvok wandte sich an den Sicherheitsoffizier, der Keral in die Krankenstation geführt hatte: "Mr. Peers, bringen Sie unseren Gast in sein Quartier zurück; warten Sie, ich denke, in der Arrestzelle wäre er sicherer. - Mr. Keral, bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber unsere Arrestzellen verfügen über bessere Sicherheitsvorkehrungen; aufgrund der gegebenen Umstände halte ich es im Moment für die beste Lösung, Sie in Schutzhafz zu nehmen."
"Ich habe nichts dagegen, Commander, das Bett in meinem Gästequartier war sowieso viel zu weich!"

Kaum hatte der Klingone die Krankenstation verlassen, betätigte der Sicherheitschef seinen Kommunikator. "Tuvok an Crewman Hanson."
"Sprechen Sie, Commander."
"Wie weit sind Sie mit der Auswertung der Computerdaten?"
"Beinahe fertig; der Großteil der Daten wurde ohnehin bei dem Angriff zerstört oder irreparabel beschädigt."
"Befinden sich unter den bereits ausgewerteten Daten auch Ausschnitte aus den Sensorenlogbüchern, die auf die Begegnung mit einem zivilen Schiff der Föderation hindeuten?"
"Einen Augenblick bitte... Die Dateien sind zu 70 Prozent unbrauchbar, aber ich lese hier etwas von einem andorianischen Frachter..."
"Das scheint Kerals Geschichte zumindest teilweise zu bestätigen. Bitte beeilen Sie sich mit Fertigstellung der Auswertung, Mr. Keral ist jetzt der einzige Überlebende des Angriffs."
"Verstehe, ich werde in vier Stunden fertig sein."

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Diese Nacht machte Janeway kein Auge zu. Morgen früh würden Seven und Barclay die Ergebnisse ihrer Analyse der klingonischen Daten präsentieren und Kim hatte angeküdigt, die Identität des mysteriösen Angreifers zumindest allgemein aufzudecken. Am liebsten hätte sie noch an diesem Abend, in dieser Nacht ein Briefing einberufen, doch sie brauchte Schlaf, sie alle brauchten ihn. Hoffentlich würde es bis Morgen nicht zu spät sein für Keral, dessen Sicherheitszelle von einem Kraftfeld mit rotierenden Frequenzen geschützt wurde.

Für einen kurzen Moment schlief sie ein, doch schreckte gleich wieder auf - da war doch etwas, jemand in ihrem Quartier! Sie griff nach dem Kommunikator, doch eine tiefe, verzerrte Stimme sagte: "Ich habe die Kommunikation unterbrochen. Ich wollte Sie nur warnen, mir bei der Beendigung meiner Mission nicht im Weg zu stehen. Heute Nacht werde ich den Klingonen noch verschonen, auch den morgigen Tag über, aber sein Schicksal ist unausweichlich!"
"Sie sah ein paar glühende Augen (auf jeden Fall erweckte das doppelte Leuchten diesen Eindruck), die gleich darauf wieder verschwanden. Janeway aktivierte ihren Kommunikator und rief den Sicherheitsdienst in ihr Quartier. Die Untersuchungen ließen keinen Zweifel daran aufkommen: Der Captain hatte Besuch vom Schwarzen Krieger erhalten.

An Schlaf war nun natürlich erst recht nicht mehr zu denken, aber der Doktor verpasste Janeway auf Anordnung ihres Sicherheitsoffiziers ein Beruhigungsmittel. "Geben Sie auch auf sich Acht, Mr. Tuvok, sonst werde ich Ihnen die doppelte Dosis verabreichen!"
"Vulkanier kommen mit viel weniger Schlaf aus als Menschen und gerade in einer Situation wie dieser kann ich es mir nicht leisten, meine Pflichten als Sicherheitschef zu vernachlässigen!"

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Am darauffolgenden Morgen fand gleich nach dem Frühstück die Besprechung statt, die nun ein wenig Klarheit in diese mysteriöse Angelegenheit bringen sollte. Neben den Führungsoffizieren der Voyager nahmen auch Keral und Kreghar daran Teil. Zuerst spielte Annika Hanson, früher Seven of Nine, einen Auszug aus dem Computerlogbuch vor, in dem der Kommandant der K'wor sich damit rühmte, ein als andorianischer Frachter getarntes Spionageschiff der Föderation zerstört zu haben. Dann sah man auch ein paar verschwommene und verzerrte Bilder von der Schlacht; der Schwarze Krieger wütete wie eine Horde Hirogen, deren geballte Kampfkraft sich in Form eines einzigen Humanoiden manifestiert hatte. Janeway erkannte trotz der schlechten Qualität deutlich das Leuchten in seinem Helmvisier, dass sie auch schon letzte Nacht in ihrem Quartier gesehen hatte. "Haben... Haben Sie noch mehr herausfiltern können?"
"Nur irrelevante Informationen", erwiderte die ehemalige Borgdrohne. Kim ging nun auf den großen Wandbildschirm zu, auf dem das Bild eines friedlich wirkenden Klasse-M-Planeten erschien. "Vor mehr als hundert Jahren begegnete Captain James T. Kirk auf Pollux IV einem mächtigen Wesen, das sich als griechischer Gott Apollon ausgab. Er hielt die Enterprise mit einem modulierten Kraftfeld im Orbit fest und verlangte, dass ihre Besatzung ihn anbetete wie es schon die Menschen der Antike getan hatten. Die Energiesignatur des Kraftfelds sowie einige Restspuren auf dem Planeten sind fast identisch mit der Strahlung, die der Schwarze Krieger hinterlässt."
"Wollen Sie also behaupten, dass wir von einem... griechischen Gott, wie sie ihn nannten angegriffen wurden?", fragte Keral.
"Es muss nicht unbedingt ein griechischer Gott gewesen sein, die Polluxaner, die einst die Erde besuchten waren vielleicht nicht die einzigen Vertreter ihrer Rasse! Außerdem wirkte der Krieger auf den Aufzeichnungen eher mittelalterlich."
"Wie schaffte es Kirk, Apollon zu besiegen?", wollte Janeway wissen.
"Indem die Enterprise mit ihren Phasern die Energiequelle in seinem Tempel zerstörte! Der Gegner, mit dem wir es hier zu tun haben, scheint allerdings schlauer zu sein. Wir konnten in der Umgebung Echos der Energiesignatur ausmachen, aber eine genaue Peilung ist nicht möglich. Vermutlich befindet die Energiequelle des Schwarzen Kriegers sich in einem getarnten Raumschiff!"
"Mr. Barclay, könnten Sie und Seven einen Weg finden, diese Energiequelle zu lokalisieren? Mr. Kim, gibt es auf Pollux IV irgendwelche Anhaltspunkte, technologische Überbleibsel, die uns weiterhelfen könnten?"
"Leider nichts dergleichen, nur Ruinen, die größtenteils an altgriechische Architektur erinnern! Zwei Jahre nach Kirks Begegnung mit Apollon sollen Polluxaner in der Zerstörung einer zivilen Raumstation nahe der Grenze zur Neutralen Zone verwickelt gewesen sein; die Station wurde von zwei romulanischen Schlachtschiffen angegriffen und den Ermittlungen der USS Tsechov zufolge hat ein polluxanisches Schiff daraufhin die Warbirds zerstört!"
"Das kingt ja so, als ob diese Polluxaner oder zumindest einige von ihnen sich als Rachedämonen betrachten", ließ Kreghar vernehmen, "Captain Janeway, ich danke Ihnen und Ihrer Crew für die Rettung Kerals und die hervorrangende Ermittlungsarbeit, aber ich denke, von nun an werden wir die Sache in die Hand nehmen. Wir werden Keral mit zu uns an Bord nehmen und damit dürfte die Voyager wohl aus der Schusslinie dieses gepanzerten Polluxaners sein!"
Barclay war der erste, der auf diesen Vorschlag antwortete: "Mr. Kreghar, Ihr... Ihr klingonischer Mut und Kampfgeist in allen Ehren, aber haben Sie die Verwüstungen auf der K'wor gesehen? I-Ich war auf dem Schiff und habe dort viele zersplitterte Bat'leths, wie Butter aufgeschnittene Wände - der Schwarze Krieger muss ein Schwert haben, das aus einem extrem dichten Material besteht und solange Sie keine Klingen aus Neutronium oder ähnlich schwerem Material haben, dürften Ihre Chancen eher schlecht aussehen!"
"Neutronium? So ein Bat'leth müsste dann so viel wie ein Berg, nein wie ein ganzer Gebirgszug wiegen und der Schwarze Krieger kann unmöglich eine Waffe aus dieser hochverdichteten Materie haben! Außerdem verfügen wir noch über leistungsfähige Disruptoren!"
"Um solche Schäden anzurichten reichen auch Materialien mit weitaus geringerer Dichte aus; Ihre Feuerwaffen dürften ebenfalls nutzlos sein, solange der Schwarze Krieger seine Energie aus einer allem Anschein nach getarnten Quelle bezieht! Um dabei auf Ihre Frage zurückzukommen, Captain, ich werde mein Bestes geben, diese Energiequelle ausfindig zu machen, aber ich kann nichts versprechen!"
Es folgte eine längere Pause, die schließlich von Keral beendet wurde, als er aufstand und mit aller Kraft auf den Tisch schlug. "Genug jetzt! Es wurde schon zu viel Blut vergossen. Kreghal, ich fühle mich von deinem Angebot geehrt, aber der Föderationsingenieur hat Recht: Der Schwarze Krieger würde dich und deine Mannschaft genauso abschlachten wie er es mit meinen Kameraden tat; dabei bin ich es, den er als Einzigen will! Gebt mir ein Bat'leth und lasst mich meinem Schicksal entgegentreten, wie es eines Kriegers würdig ist!"
"So weit wird es nicht kommen. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um diesen Polluxaner aufzuhalte; möglicherweise hilft uns die Diplomatie weiter, wo rohe Waffengewalt versagte!"
Alle starrten Janeway entgeistert an. "Denken wir einmal vernünftig darüber nach: Irgend etwas oder jemand war an Bord dieses andorianischen Frachters, das dem Schwarzen Krieger so viel bedeutet haben muss, dass er deswegen fast die gesamte Besatzung eines Klingonischen Kreuzers regelrecht abschlachtete. Bei solch einem Gemetzel dürften selbst Klingonen in Panik geraten und der romulanische Chefingenieur der K'wor versuchte mit aller Macht, aus dieser Lage zu entkommen. Er holte das Äußerste aus dem Warpantrieb heraus und das Schiff machte einen gewaltigen Sprung in Raum und Zeit. Natürlich hätte der Angreifer ebenso dafür verantwortlich sein können, aber das halte ich eher für unwahrscheinlich. Worin besteht denn die Logik, einen Gegner in eine Zukunft zu katapultieren, in der er vielleicht mehr und mächtigere Verbündete haben könnte? Wenn er schon zu Zeitreisen fähig wäre, hätte der Polluxaner nicht in die Vergangenheit reisen und die Zerstörung des Frachters verhindern müssen? Was wir nicht wissen ist, ob der Schwarze Krieger bei diesem Zeitsprung mitgerissen wurde oder ob er über 100 Jahre gewartet hat, bis die K'wor wieder auftauchte. Sollte Letzteres der Fall sein, dürfte sein Zorn sich inzwischen schon soweit gelegt haben, dass er zu Verhandlungen bereit sein könnte."
"Und wenn es nicht der Fall ist?", fragte Annika skeptisch.
"Dann haben wir wirklich ein Problem. Wie dem auch sei, es wurden alle wichtigen Fakten genannt und wir sollten jetzt an unsere Arbeit gehen. Captain Kreghar, die K'wor ist rechtmäßes Eigentum des klingonischen Imperiums. Sie können über das Schiff und die aus ihm geborgenen Daten verfügen. Aber meiden Sie die Nähe des Maschinenraums, er ist immer noch Chronitonenverseucht!"
"Um ganz ehrlich zu sein, ich war letzte Nacht schon einmal auf der K'wor und mein Wissenschaftsoffizier ging sogar in den Maschinenraum. Er berichtete mir, dass er dort einen toten Romulaner in der Nähe des Warpkerns fand; die Einstellungen waren komplett verändert - insofern glaube ich auch, dass dieser spitzohrige P'tak es mit der Angst zu tun bekommen hatte. Mein Wisssenschaftsoffizier materialisierte übrigens nicht neben mir, als wir auf mein Schiff zurückgebeamt wurden - er materialisierte überhaupt nirgendwo an Bord der Tak'wor!"
"Genau das sind die unberechenbaren Auswirkungen von Chronitonen, vor denen ich Sie warnen wollte! Ihr Wisschenschaftsoffizier dürfte wohl irgendwann in der Vergangenheit oder Zukunft materialisiert sein; wenn Sie Glück haben, trifft er noch ein, vorausgesetzt, die Tak'wor behält ihre jetzige Position bei!"
"Er könnte aber auch genauso gut tot oder sogar von diesem Schwarzen Krieger entführt worden sein!"
"Sie scheinen sich wohl unbedingt mit dem Polluxaner anlegen zu wollen - aber ich warne Sie, begehen Sie keine Dummheit, das hätte gar nichts Ehrenhaftes!"
"Lassen Sie das meine Sorge sein. Keral, du kannst mich begleiten, unter Deinesgleichen wirst du dich bestimmt wohler fühlen und ich werde jeden persönlich zurechtweisen, der dich wegen deiner Stirn verspottet!"
"Ich danke dir nochmals für das Angebot, aber ich bleibe vorerst lieber hier auf der Voyager. Beim großen Kahless, ich hätte nie gedacht, dass ich einmal freiwillig auf einem Schiff der Föderation verweilen würde - ich finde keine logische Erklärung dafür, aber ich fühle mich hier irgendwie sicherer!"
Kreghar grunzte missmutig, ging aber ohne ein weiteres Wort zu sagen.

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Keral saß wieder in seiner Zelle und harrte der Dinge, die kommen sollten. Da erschien Tema'na mit einem Bat'leth in der Hand. Es war nicht das erste Mal, dass sie dem Klingonen einen Besuch abstattete...
"Was wollen Sie mit der Waffe?", fragte der diensthabende Wachoffizier, "ich warne Sie, machen Sie keine Dummheiten!"
"Das lassen Sie meine Sorge sein!" Sie zog ihren Phaser mit der freien Hand und betäubte den Wachposten. Dann deaktivierte sie das Kraftfeld um Kerals Zelle und trat ein.
"Du willst mir also tatsächlich helfen? Oder willst du dich nur an meinem Tod erfreuen?"
"Ich werde deiner Ehre Genüge tun. Du kannst nicht glauben, wie schwer es mir gefallen ist, Kreghar davon zu überzeugen, mir dieses Schwert zu geben!"
"Warum hast du denn nicht dieses Wunderding, das ihr so schön Replikator nennt verwendet?"
"Jede Replikation wird in den Protokollen festgehalten und ich wollte nicht, dass man uns dadurch früher als unbedingt nötig auf die Spur kommt! Aber jetzt genug der langen Reden, Frachtraum Drei ist frei..."
Tema'na wusste nicht, warum sie ihm half. Eigentlich hasste sie wie fast jeder Romulaner die Klingonen, doch dieser hier war anders... es mochte zwar oberflächlich erscheinen, aber es lag vor allem an seinem Aussehen. Darüberhinaus stammte er aus einer Zeit, in der ihre beiden Völker eine Allianz gegen die Föderation eingegangen waren und trotz einer gewissen Verachtung den Romulanern gegenüber war Keral nicht von dem Hass jener Klingonen beseelt, die von dem Kithomer-Massaker wussten und es zum Teil sogar selbst miterlebt hatten.
Anstatt sofort mit ihr mitzugehen, blickte er ihr tief in die Augen und flüsterte: "Wie schade, dass ich diesen Tag nicht lebend überstehen werde, denn ich hätte dich gerne etwas näher kennengelernt..." Er küsste sie, ganz spontan und sie konnte (oder wollte) sich nicht dagegen wehren... "Bei Kahless, wenn du eine Klingonin wärst, ich würde dich auf der Stelle..."
"Beeil dich, sonst werden wir noch entdeckt!"

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Ganz ungesehen gelangten sie natürlich nicht zu Frachtraum Drei - gleich dreimal liefen ihnen Sicherheitsleute über den Weg und Keral tat so, als habe er die Romulanerin in seiner Gewalt. "Wenn ihr es wagt, Alarm zu schlagen, ist sie tot!" Demonstrativ hielt er ihr den Phaser an die Schläfe.
Nachdem sie den Frachtraum erreicht hatten, gab Tema'na ihm das Bat'leth und zögerte einen Moment lang. Sollte sie mit hineingehen oder den Klingonen seinem Schicksal überlassen? Der Kuss von vorhin verwirrte sie nach wie vor und ehe sie es sich versah, befand sie sich mit ihm im innerhalb des Frachtraums. "Du hast schon mehr getan als ich je erwartet hätte, Tema'na, geh jetzt, denn ich allein bin es, hinter dem der Schwarze Krieger her ist!"
"Aber du alleine gegen ein so mächtiges Wesen - das wäre doch Wahnsinn! Glaub mir, wenn ich jetzt wieder rausgehe und der Polluxaner tötet dich, reißt mir Captain Janeway den Kopf ab! Ich bin ein Offizier der Sternenflotte, dies ist die ideale Möglichkeit, einen ersten - ich meine, zweiten Kontakt herzustellen und ihn vielleicht davon zu überzeugen, dich am Leben zu lassen!"
Keral küsste sie noch einmal und ging dann in die Mitte des Raumes. "Hörst du mich, Namenloser? Ich bin hier, komm, wenn du kein Feigling bist und bring es endlich zu Ende!"
Die Romulanerin zückte derweil ihren Tricorder und begann mit Messungen. Vielleicht hatte sie mehr Glück als seinerzeit Doktor Lennard McCoy, dessen medizinischer Tricorder Apollon als ganz normalen Menschen ausgewiesen hatte... und ehe sie es sich versah, materialisierte die Nemesis der K'wor direkt vor dem Klingonen. Er sah wirklich mächtig aus, ganz und gar in eine RüStung aus unbekanntem, schwarzen Material gefertigt, in seiner Scheide hing ein riesiges Schwert, das tatsächlich stark dem irdischen Design vergangener Zeiten ähnelte. Tema'nas Tricorder war nicht in der Lage, die Panzerung zu durchdringen, doch zeigte das Massenspektrometer, dass der schwarze Krieger gut 40 Tonnen wog - dabei war er kaum größer als der Klingone.

Da klappte der Helm des unbekannten Kriegers auseinander, öffnete sich einer Blume gleich in alle Richtungen und die einzelnen Elemente, die zu einer Art ablativen Panzerung zu gehören schienen verschwanden restlos im Kragen. Zum Vorschein kam ein durschnittliches humanoides Gesicht mit Punkten - ein Trill!? Der Tricorder zeigte immer noch verwirrende Werte an. Die Augen des Fremden erglühten in einem brennenden Rot und mit unnatürlich tiefer Stimme polterte er: "Mehr als 100 Jahre habe ich auf diesen Augenblick gewartet, du bisr der Letzte, den ich noch töten muss, dann ist meine Rache zu Ende..."
"V-verzeihen Sie, von welcher Rache reden Sie da überhaupt? I-ich glaube, Keral hat ein Recht darauf, zu erfahren, weshalb Sie so ausgerastet sind!" Jeder Funken romulanischer Überheblichkeit war von ihr gewichen und sie stammelte nun herum wie einst Barclay zu seinen schlimmsten Zeiten.
Der trillartige Polluxaner sah sie an, das Glühen in seinen Augen verblasste und er sprach nun mit normaler Stimme: "In der Tat, das bin ich euch allen wohl schuldig." Die lebensgroße holografische Abbildung einer jungen andorianischen Frau stand plötzlich vor ihnen. Sie war von unglaublicher Schönheit, mit langen, weißen Locken, gehüllt in ein schwarzes Samtkleid. "Sie sie dir genau an, Klingone, dass ist - oder vielmehr war - meine geliebte Go'lanna, sie war Passagier auf dem Frachter, der tatsächlich nur vom Weg abgekommen war und den ihr völlig grundlos zerstört habt!"
"Wir waren im Krieg, da passieren solche Dinge schon mal!" Keral hob seine Waffe, doch der Schwarze Krieger machte keinerlei Anstalten, die seine zu ziehen. "Du Wurm, ich brauche mein Schwert nicht, um dich zu vernichten!" Seine Stimme war wieder verzerrt und das Glühen in seinen Augen hatte zugenommen. Tema'na wusste, dass der Klingone keine Chance haben würde...
"Glauben Sie, damit wird Ihre Gefährtin wieder lebendig? Wenn Sie schon so mächtig sind, warum reisen Sie dann nicht in die Vergangenheit und verhindern die Zerstörung des andorianischen Frachters?"
Abermals normalisierten sich sien Aussehen und seine Sprache. "Nichts täte ich lieber, aber die Manipulation der Zeitlinie kann ungeahnte Folgen haben, die noch nicht einmal mein Volk in ihren ganzen Ausmaßen abschätzen kann... Meine einzige Genugtuung ist es daher, diejenigen zur Strecke zu bringen, die Go'lanna auf dem Gewissen haben!" Das Glühen seiner Augen nahm schmerzhafte Ausmaße an und die Romulanerin war mit ihrem diplomatischen Latein am Ende. Wenn Captain Janeway doch nur hier wäre!
Als hätte er ihre Gedanken gelesen, meinte der Polluxaner: "Glaubt bloß nicht, dass eure Freunde dort draußen euch helfen werden, ich habe eine undurchdringbare Barriere um diese Sektion des Schiffes errichtet!" Tema'na fand, es war an der Zeit zu handeln und sie feuerte kurzerhand mit dem Phaser auf ihn. Die tödliche Energie hatte keinerlei Wirkung auf ihn, also stellte sie um auf maximale Feuerkraft und diesmal schaffte sie es, den Trillartigen ins Wanken zu bringen. Daraufhin streckte er seine Hand aus und eine unsichtbare Kraft schleuderte Tema'na mit voller Wucht gegen die Wand.
Keral ging sofort zu ihr hin und stellte erleichtert fest, dass sie den Aufprall relativ unbeschadet überstanden hatte. Der Schwarze Krieger zog nun sein Schwert und rammte es so tief in den Boden des Frachtraums, bis seine Klinge nur noch zu einem Drittel herausragte. "Jetzt bist du an der Reihe, Klingone, einen Schlag hast du frei!"
sein überhebliches Grinsen entfachte die Wut in ihm, er sah wieder die Bilder des Massakers, als seine Kameraden ohne den Hauch einer Chance der Reihe nach abgeschlachtet wurden... Seine Rüstung konnte er niemals mit dem Bat'leth durchdringen, aber sein Hals war nun entblöst - er lief zu ihm hin, holte Schwung und mit einem gewaltigen Schlag trennte er den Kopf des Polluxaners von den Schultern. Anstelle von Blut kam eine leuchtende Substanz zum Vorschein, deren Farben zwischen allen Schattierungen von Blau und Purpur hin und her wechselte. Der am Boden liegende Kopf sah ihn an, immer noch das hähmische Grinsen auf den Lippen. "Eine Kluge Wahl, Keral, an deiner Stelle hätte ich genau so gehandelt! Aber vergiss nicht, ich bin ein unsterbliches Wesen, auch wenn ich wie ein gewöhnlicher Humanoid aussehen mag!" Der Körper drehte sich langsam um, um den Kopf wieder aufzuheben. Da drehte der Klingone durch und begann wie wild auf den gepanzerten Rumpf einzuschlagen. "Was heißt hier unsterblich, du Dämon? Kortar hat einst unsere Götter getötet und mit so einem wie dir wird ein richtiger Klingone allemal fertig!"
Durch den Lärm erlangte Tema'na wieder das Bewusstsein und war höchst erstaunt zu sehen, wie Keral auf den Enthaupteten eindrosch. Noch ganz benommen sah sie den Kopf, kroch zu ihrem Phaser, nahm ihn in die Hand und feuerte. Sie traf die Wand gegenüber, von der etwa die Hälfte vaporisiert worden wäre, wenn die Barriere um den Frachtraum die Energie nicht absorbiert hätte. Als sie wieder klarer sehen konnte, zielte sie genau auf den Kopf und deckte ihn mit Dauerfeuer ein. Sofort schleuderte der linke Arm des Kriegers den Klingonen von sich und der rechte riss mit der schon bekannten unsichtbaren Kraft den Phaser so brutal aus Teman'as Hand, dass diese brach. Dann hob er mit beiden Händen den Kopf auf, setzte ihn wieder auf seine Schultern, zog das Schwert aus dem Boden und lief zu der immer noch am Boden liegenden Tema'na.
"Du willst also auch sterben? Was zum Hades bewegt dich dazu, dein Leben für diesen Mörder zu riskieren?"
"E-Erstens ist er kein Mörder und zweitens hätte er alleine nicht die geringste Chance gegen Sie!"
"Liebst du ihn?"
Mit dieser Frage hatte sie nun nicht gerechnet, vor allem nicht mit dem sanften, irgendwie melancholischen Tonfall - der erste, durchaus leidenschaftliche Kuss kam ihr wieder in Erinnerung... "Ich kenne ihn nicht gut genug, um ihn zu lieben oder nicht, aber wenn Sie ihn töten, werde ich wohl nie die Gelegenheit haben, das herauszufinden... Glauben Sie, Go'lanna würde es gutheißen, dass Sie in ihrem Namen die Besatzung eines ganzen klingonischen Kreuzers auslöschen? Selbst wenn, dann tun Sie den Klingonen damit eigentlich enen Gefallen. Für die gibt es doch keine größere Ehre, als im Kampf zu sterben - wenn Sie sich also wirklich rächen wollen, dann lassen Sie Keral am Leben, gestrandet in einer führ ihn so fremden Zeit, wegen seines Aussehens sogar von seinem eigenen Volk verachtet..."
Der Schwarze Krieger blickte sie eine Weile lang nachdenklich an, schließlich lächelte er und meinte: "Du bist eine echte Vollblut-Romulanerin, du tust so, als wären dir die Klingonen egal, aber ich spüre, dass du diesen Keral tief in deinem Inneren sogar magst, gerade weil er so anders ist als die Klingonen dieses Jahrhunderts! Du hast recht, wenn ich ihn jetzt töten würde, würde ich nur einen Märtyrer aus ihm machen und Go'lanna würde es auch nicht wieder lebendig machen - beim Ares, selbst wenn sie noch leben würde, sie wäre jetzt eine alte Frau!" Er rammte das Schwert wieder in den Boden, packte Tema'nas gebrochene Hand und nach einem Augenblick des Schmerzes fühlte sie sich, als wäre sie nie verletzt gewesen; sogar die Prellungen, die sie von dem Aufprall an der Wand davongetragen hatte waren verschwunden. Dann ging er zu Keral, der halb bewusstlos dalag und heilte seine Wunden ebenfalls.

Kurz darauf öffneten sich die Türen und ein halbes Dutzend schwer bewaffneter Sicherheitsoffizier, angeführt von Tuvok und gefolgt von Janeway betraten den Frachtraum. Hinter ihnen drängten sich ebensoviele Klingonen, ebenfalls schwer bewaffnet und in voller Kampfmontur. Der Captain warf Tema'na, die ihren Tricorder kontrollierte einen finsteren Blick zu und wandte sich dann an den Polluxaner. "Endlich bekommt man auch Ihr Gesicht zu sehen - Sie wurden wohl früher als trillianische Gottheit verehrt?"
"Nein, Captain Janeway, ich war immer nur ein Krieger, seit ich vor tausend Jahren auf Trill aufwuchs, ohne dabei zunächst eine Ahnung von meiner wahren Abstammung zu haben. Sie können Ihre Waffen übrigens einstecken, ich bin keine Bedrohung mehr für Sie!"
Tuvok trat näher an ihn heran und nahm einige Scans vor. "Meinem Tricorder zufolge scheinen Sie tatsächlich ein Trill zu sein, zumindest teilweise!"
"Er kann nie und nimmer ein Trill sein", widersprach Tema'na, "er hat eine Enthauptung und schwerstes Phaserfeuer überlebt und wog meinen anfänglichen Scanss zufolge mehrere Tonnen!"
Der Schwarze Krieger lächelte. "Ihre primitiven Scanvorrichtungen vermögen jeweils einen kleinen Teil meiner Persönlichkeit zu erfassen, aber nicht mein gesamtes Wesen festlegen! Dieser Körper ist nur eine Hülle, die einem Vertreter meines Volkes gestattet, in diesem Universum zu existieren und zu agieren! Ich wuchs wie gesagt als ein Trill unter vielen auf, doch schon früh zeigte sich meine besondere Begabung im Umgang mit dem Schwert; ich wurde von den besten Lehrmeistern in Kampf und Wissenschaft unterrichtet. Ich gebe sogar zu, dass eine Sterbliche mich damals besiegt hatte, sie hieß Calrina von Savengor und konnte mich nur deshalb niederstrecken, weil ich, um es in der Sprache der Menschen auszudrücken, sturzbetrunken war!"
Diese kleine Anekdote sorgte für sichtliche Heiterkeit unter den Klingonen, was die eigenartige Lage ein wenig entspannte. "Calrina war Kriegerin und Wissenschaftlerin zugleich beides mit Leib und Seele, ein Wesen, wie ich ihm seit tausend Jahren nicht mehr begegnet bin, bis zum heutigen Tag. Tema'na hat mir die Augen geöffnet und mich auf meine Fehler aufmerksam gemacht wie einst jene trillianische Rennaissance-Frau... ich weiß, Captain, sie handelte gegen Ihren Befehl, aber seien Sie nachsichtig und haben Sie Geduld. Die romulanische Seele ist um Einiges leidenschaftlicher als die der Trill!"
Noch bevor Janeway über diese Worte nachdenken konnte, kam schon Barclay in den Frachtraum gestürmt. "Irgendwelche Probleme, Commander?", fragte Tuvok. "N-N-Nein, Sir, im M-Maschinenraum ist alles in Ordnung. I-I-Ich möchte leidglich ein p-paar Informationen ü-über die polluxanische Ingenierskunst sammeln!" Schon begab er sich zum Schert, das immer noch im Boden steckte und nahm umfangreiche Messungen vor. Der Trillartige beobachtete ihn dabei mit einem verschmitzten Lächeln. "Sieh sie dir nur genau an, diese Waffe wurde von Hephaistos persönlich geschmiedet! Sie ist nicht für die Hände von Sterblichen bestimmt."
"D-D-Das glau-glaub ich Ihnen gern, S-Sir, die Legierung b-besteht aus Elementen h-hoher Dichte, d-d-dieses Schwert wiegt an die 3 Tonnen!"
"Genau genommen sind es nur 2,4!" Mit diesen Worten zog er das Schwert wieder heraus und steckte es in seine Scheide. Der Boden wies keine Spuren von der gewaltsamen Penetration mehr auf, nicht einmal den kleinsten Kratzer.
"Nun, es wird jetzt Zeit zu gehen. Keral, dir stehen jetzt alle Möglichkeiten offen. Aber vergiss nie, welches Unrecht du und deine Kameraden damals getan haben!" Abermals erschien die Holografie der Andorianerin. "Go'lanna war unschuldig, genau wie alle anderen an Bord der Shrennan!" Die Projektion verschwand und Janeway fragte: "Haben Sie eigentlich auch einen Namen?"
"Schauen Sie in den Geschichtsbüchern nach, Captain!" Dann löste er sich genauso auf wie zuvor das Hologramm...

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Als ob Tema'na durch die vorangegangenen Ereignisse und dem damit verbundenen Schrecken nicht schon genug bestraft worden wäre, musste sie sich nun auch noch Janeways Zorn stellen. Nur eine Stunde nach dem Verschwinden des Polluxaners wurde die Navigatorin in den Bereitschaftsraum des Captains zitiert. "Fähnrich Tema'na, lange genug habe ich Ihre Eskapaden geduldet, aber was Sie sich heute geleistet haben, bringt das Fass zum Überlaufen! Sie haben nicht nur sich selbst und unseren Gast, sondern gas ganze Schiff und seine Besatzung in Gefahr gebracht!"
"Bei allem Respekt, Captain, ich hatte dabei durchaus auch unser aller Wohl..."
"Halten Sie den Mund! Sie wollten wohl nur wieder einmal für den Tal Shiar spionieren, geben Sie's doch wenigstens zu! Wenn Sie nicht so eine ausgezeichnete Pilotin wären und uns schon so gute, ja zum Teil sogar hervorragende Dienste geleistet hätten, würde ich Sie umgehend mit einem Fusstritt zurück nach Romulus befördern!"
Ein Hauch von Ratlosigkeit spiegelte sich in ihrem Gesicht wieder. "Keral hat die Schuld auf sich genommen, er sagte, er hätte Sie mit seinem klingonischen Charme verführt... und der hat mehrere Male betont, dass er Ihnen sein Leben verdankt. Aber was wäre wohl geschehen, wenn der Polluxaner nicht so einsichtig gewesen wäre? Haben Sie auch einmal einen einzigen Augenblick darüber nachgedacht?"
Tema'na dachte an die Todesangst, die sie in Frachraum Drei ausgestanden hatte und senkte für einen Moment demütig das Haupt. "Nein, Captain." Das Fehlen jeglicher Spur von Überheblichkeit im Klang ihrer Stimme überraschte Janeway. Da ertönte das Kommunikationssignal von dem Terminal auf ihrem Schreibtisch. Sie drückte eine Taste und das Gesicht des Doktors erschien. "Ich hoffe ich störe nicht, Captain, aber ich habe gerade die Analyse der purpurfarbenen Substanz beendet, deren Rückstände sich auf dem Boden von Frachtraum Drei befanden..."
"Sie meinen das Blut des Polluxaners? Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?"
"Es handelt sich um Nanosonden, weiter entwickelt als alles, was wir bisher von den Borg kennen; organische und anorganische Elemente wurden auf molekularer Ebene verschmolzen, es handelt sich quasi um kybernetische Mikroorganismen! Leider zerfielen sie, bevor ich weitere Tests machen konnte, aber ich habe noch Fähnrich Tema'nas Tricorder-Aufzeichnungen, die zwar verwirrend, aber auf den zweiten Blick auch durchaus aufschlussreich zu sein schienen... ich weiß, dass diese Aufzeichnungen bei einer nicht genehmigten Aktion zustande kamen, aber der Fähnrich hat uns womöglich zu wissenschaftlichen Informationen verholfen, die wir sonst vielleicht nie erlangt hätten!"
Tema'na ging zum Schreibtisch des Captains und meinte: "Doktor - ich hätte da eine Frage..."
Janeway drehte den Bildschirm so, dass die Romulanerin das Hologramm sehen konnte. "Ah, Fähnrlich, ich hatte mir schon gedacht, dass Sie auch hier sind... was kann ich für Sie tun?"
"Laut meinen ersten Tricorderscans wog der Polluxaner mehrere Tonnen, aber Keral enthauptete ihn mühelos mit einem Standard-Bat'leth - haben Sie vielleicht eine Erklärung dafür?"
"Technisch und medizinisch gesehen nicht, aber aus psychologischer Sicht kann ich nur sagen, dass dieser Schwarze Krieger ganz offenbar geköpft werden wollte, er wollte seine Überlegenheit demonstrieren und den Kampfeswillen des Klingonen brechen."
Nachdem der Doktor die Verbindung beendet hatte, sahen Janeway und die Romulanerin sich tief in die Augen. "Da scheint sich wohl noch jemand für Sie einzusetzen... und ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust, Sie schon wieder zu degradieren, nun da Sie Ihren Rang als Fähnrich erst seit Kurzem wieder haben..."
"Ich danke Ihnen, Captain. Ich wollte die Informationen in der Tat auch dem Tal Shiar zukommen lassen, aber ich habe in erster Linie an Sie gedacht, an die Sternenflotte..."
"Wirklich? Na dann beweißen Sie es - ich erwarte in zwei Stunden einen ausführlichen Bericht über Ihre... Mission. Wegtreten!"

Als Tema'na den Raum verließ, prallte sie fast mit Keral zusammen, der in dem selben Moment hinein wollte. "Mr. Keral! Wie ich sehe haben Sie Ihr klingonisches Aussehen immer noch nicht wiederherstellen lassen..."
"Das wird sich vorerst auch nicht so schnell ändern. Die Tak'wor ist ohne mich abgeflogen, ich werde mich sobald wie möglich nach Trill begeben, um dort Nachforschungen bezüglich der Identität des Schwarzen Kriegers anzustellen."
"Lieutenant Kim ist gerade dabei, die Datenbanken bezüglich dieser Informationen zu durchforsten. Wenn Sie sich noch ein klein wenig gedulden..."
"Vielen Dank, aber ich bevorzuge die persönliche Recherche vor Ort. Und um eventuellen Bedenken zuvor zu kommen - ich werde meine klingonische Natur nicht leugnen, ich werde den Leuten auf Trill die Wahrheit erzählen und hoffe, im Gegenzug ein paar nützliche Informationen zu erhalten. Ihr Sicherheitsoffizier sagte mir, dass bald ein trillianischer Frachter hier in der Nähe vorbeifliegen wird mit Kurs auf die Heimat..."
"Dann heißt es jetzt wohl Abschied zu nehmen - ich wünsche Ihnen viel Glück bei Ihrer Suche und wäre erfereut, wenn Sie uns über den Fortgang Ihrer Recherchen auf dem Laufenden halten würden!"
"Das werde ich tun, Captain. Und nochmals vielen Dank, dass Sie Tema'na nicht bestraft haben."
"Keine Ursache. Noch eine Degradierung zum Crewman hätte ihr romulanisches Ego wohl nicht so leicht verkraftet...", meinte sie mit einem Lächeln.

 
ENDE

 


 
Diese Geschichte ist geistiges Eigentum des oben im Kopf angegebenen Autors;
sie basiert auf
Voyager Season8/9, einem Fan-Fiction-Projekt das geistiges Eigentum
einer Gruppe um
Sebastian Ostsieker ist und seinerseits auf STAR TREK basiert,
welches ein eingetragenes Warenzeichen von
Paramount Pictures ist.